Wikingerzeit und Mittelalter
Seit etwa 1200 liegt die Stadt Stubbekøbing bei Stubbenæs an der Mündung des Flusses Fribrødre Å in den Grønsund. Der Name „Fribrødre“ ist die dänische Version des wendischen Ausdrucks „Pri brod“, was soviel bedeutet wie „an der Furt“. Der slawische Ortsname zeugt davon, dass in der Wikingerzeit und im Mittelalter ein Teil der Bevölkerung auf Falster aus Slawen oder Wenden bestanden haben muss.
Der Hafen am Grønsund ist mit der Hauptstraße durch kleine Gassen verbunden. Die beiden aus dem Mittelalter stammenden Hauptstraßen verlaufen parallel zum Wasser, und von ihnen aus führen Gassen zum Hafen hinunter. Zwischen den Hauptstraßen liegt der Markt mit der Kreidesteinkirche aus dem 12. Jahrhundert als Mittelpunkt der Stadt.
In der Wikingerzeit mündete der Fluss Fribrødre in eine schmale Förde, einen idealen natürlichen Hafen mit guten Ankermöglichkeiten. Die Förde wurde als Sammelstelle für die Militärflotte benutzt, bis sie im Mittelalter durch einen Mühlendamm vom Grønsund abgeschnitten wurde.
Während des Mittelalters nahm die Fischereiflotte von Stubbekøbing jedes Jahr im September am groß angelegten Heringsfang teil, bei dem die Heringe gefangen, gesalzen und auf dem „Skånemarked“ (der Schonischen Messe) verkauft wurden. Zur Zeit der Reformation wurde dem einträglichen Geschäft mit den Heringen ein Ende gesetzt. Die Stadt wurde fast völlig ausradiert und hatte nach einer Reihe von Bränden und Sturmfluten sowie den Kriegen gegen Schweden im 17. Jahrhundert am Ende weder einen Rat noch einen Bürgermeister. Im Jahr 1694 verschwandt das Zollamt am Hafen während einer Sturmflut. Erst im Jahr 1839 wurde eine neue Schiffsanlegebrücke gebaut und später der Hafen mit einem richtigen Hafenbecken ausgebaut.
Bau und Erweiterung
Gleichzeitig mit dem Bau der Schiffsanlegebrücke im Jahr 1839 legte man einen Spazierweg in westlicher Richtung an. Auf Initiative des Oberlehrers Andersen entstand hier 1881 ein eindrucksvolles Freizeitterrain, bestehend aus einem Park mit Freiluftbühne, Pavillon und Spazierwegen. Der Stadtpark von Stubbekøbing nimmt heute eine Fläche von 5 ha ein.
Nachdem zwischen Bogø und Stubbekøbing eine neue und größere Fähre eingesetzt worden war, wurde die Anlegestelle der Fähre zwischen Falster und Møn von „Grønsund Færgested“ bei Næs im Jahr 1940 in die Stadt verlegt.
Im Jahr 1911 wurde die Eisenbahnstrecke Stubbekøbing-Nykøbing-Nysted angelegt, die die Stadt zunächst östlich umfährt und dann auf einem Damm, der den Fluss Fribrødre Å in der Nähe des Ufers des Grønsund überquert, zum Hafen führt. Die Bahnstrecke wurde 1966 geschlossen, der Bahnhof wurde zunächst als Polizeirevier verwendet und kam später in Privatbesitz.
Heute liegt auf dem Bahnhofsgelände ein Kieswerk. Der Eisenbahndamm wird als Ausfallstraße zum Ferienzentrum Kongsnæs verwendet. Auf dem Gebiet zwischen dem Eisenbahndamm und dem alten Straßen- und Mühlendamm befinden sich eine Kläranlage und ein Sportplatz.
Im Ort Kongsnæs östlich der Hafenstadt wurde in den 70er Jahren mit dem Bau von Einfamilienhäusern und eines großen Ferienhausgebietes, das man vom Wasser aus so gut wie gar nicht sehen kann, begonnen.
Falsterbo und der Heringsfang
Beim Heringsmarkt in Schonen gab es so viele Fischverkaufsstände von der Insel Falster, dass man diesen Ort nach ihnen benannte – er erhielt den Namen Falsterbo. Der Hafen und die Fischereiflotte von Stubbekøbing wurden kurz vor dem Beginn des großen Heringsmarktes von Falsterbo 1289 zusammen mit einigen anderen Hafenstädten am Großen Belt und am Öresund verwüstet. Der monatelange Feldzug wurde von Marschall Stig und einer norwegischen Flotte durchgeführt, nachdem der Marschall wegen des Mordes an Erik Klipping in der Scheune von Finderup einige Jahre zuvor für vogelfrei erklärt worden war. Im Jahr 1494 gab es auf dem Markt nicht weniger als 434 dänische Fischverkaufsstände. Hiervon waren 31 aus Nykøbing und ganze 66 aus Stubbekøbing.
Laut Aufzeichnungen des Historikers Saxo war der Heringsbestand im Öresund im 13. Jahrhundert so groß, dass es nicht möglich war, mit einem Ruderboot durch die Fischschwärme zu kommen – das Ruder blieb im Fischschwarm einfach stecken. Man konnte die Heringe mit bloßen Händen fangen und buchstäblich mit Eimern aus dem Wasser schöpfen! Berechnungen zufolge handelte es sich tatsächlich um ungeheure Mengen: bis zu 10.000 Tonnen jährlich oder 300.000 Fässern gesalzene Heringe. Gesalzener Hering war im katholischen Europa des Mittelalters, als es viele Fastentage gab, eine begehrte Handelsware. Der Heringsfang im Öresund war bereits Ende des 11. Jahrhunderts von großer Bedeutung, als Knud der Heilige den Bewohnern von Schonen damit drohte, den Heringsfang bei Schonen zu verbieten.
Die im Spätsommer und Herbst gefangenen Heringe wurden in Fässern gesalzen und auf dem Weg durch die deutschen Hansestädte, vor allem Lübeck, aber auch Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald, weit bis in den Süden Europas exportiert. Die Schonische Messe war eine der größten Freihandelsmessen jener Epoche, bei der die See- und Kaufleute von weit her kamen, um ihren Fang zu verkaufen. Es wurde mit dänischer Währung gezahlt, die Lübecker lieferten das Salz und die ortsansässigen Handwerker die Fässer.
Vitalienbrüder und Freibeuter
Mit dem Begriff ”Vitalienbrüder“ (von „Viktualien“ = Lebensmittel) bezeichnete man im 14. Jahrhundert eine Art offizielle Kaperer, die im Auftrag der jeweiligen Machthaber, beispielsweise der Hansestädte Rostock und Wismar, Handelsschoner kaperten, um sich deren Fracht zu bemächtigen. Im Lauf der Zeit wurden aus den Vitalienbrüdern „gewöhnliche“ Seeräuber, die die Ostsee unsicher machten.
Eine vergleichbare legale Seeräuberei fand statt, als die Engländer 1807 die dänische Flotte erbeutet hatten. Der König von Dänemark erlaubte Privatleuten hiernach, Kaperboote auszurüsten und englische Schiffe mit Holz und Teer zu kapern. Die einheimischen Seeleute, die sich in ihren Gewässern gut auskannten, konnten auf diese Weise gutes Geld verdienen.
Der ”Sankt Hans Markt” in Stubbekøbing
In Stubbekøbing fand der Markt am ”Sankt Hans Tag”, also dem Johannistag am 24. Juni statt. Der Vogt und der Bürgermeister der Stadt waren gegen die Abhaltung des Marktes, und deshalb wurde der Markt mit königlichem Erlass von 1556 abgeschafft. Dies führte am vierten Ostertag des Jahres 1559 zu einem regelrechten Aufstand in Stubbekøbing. Die 24 gewählten Bürgervertreter hatten wie üblich, nachdem die Bücher der Stadt geprüft worden waren, ein Fass Bier miteinander geteilt. Sie wählten daraufhin einen neuen Bürgermeister, einen neuen Rat und neuen Stadtvogt und verpflichteten sich, gemeinsam und bewaffnet zum nächsten „Landsting“ (Bürgerversammlung) zu gehen und dafür zu sorgen, dass der Sankt Hans Markt in der Stadt wieder eingeführt würde. In Kopenhagen wurden die Aufständischen zwar zunächst im „Blåtårn“ (blauen Turm) eingesperrt, ab 1569 wurde der Sankt Hans Markt jedoch wieder abgehalten.
Die Ostküste von Falster – Verkauf des Krongutes 1766
Der Stadtvogt von Stubbekøbing bemühte sich im Jahr 1766 vergeblich darum, dass die ”16 Ländereien von Stubbekøbing“ im Besitz der Stadt verblieben, als das Krongut von Falster, das zum Schloss von Stubbekøbing gehörte, in 10 Güter aufgeteilt und versteigert wurde. Statt dessen entstand ein neues Gut an der Stelle, wo im Mittelalter Bredemad gelegen hatte. Dieses Gut erhielt nach dem Prinzen Carl von Hessen den Namen Carlsfelt.
Carl von Hessen war Vorsitzender des staatlichen Kriegsrates, während sein guter Freund, der Generalmajor Classen, der staatliche Waffenhersteller des Königs war. Carl von Hessen trat 1766 als Strohmann für Classen auf und kaufte in dessen Auftrag die beiden Güter Carlsfelt und Corselitze auf Ostfalster. 1768 wurden die Güter an Classen weiterverkauft. Heute besitzt „Det Classenske Fideicommis“, eine von Classen testamentarisch gegründete Stiftung für wohltätige Zwecke, die großen Wälder, die sich über fast 20 km entlang der Ostküste von Falster von Nærgård im Norden bis nach Søndre Alslev im Süden mit dem ursprünglichen Fischerdorf und dem Hafen der Stiftung erstrecken.
Im Jahr 1801 hatte Stubbkøbing 467 Einwohner, Nykøbing hatte 1079, Vordingborg 931, Næstved 1785, Stege 917 und Præstø 480 Einwohner.